"Die Wissenschaft ist keine heilige Kuh. Sie ist ein Pferd. Betet sie nicht an. Füttert sie."
(Audrey Eben)
Peter L. Toynbee legte eine Pause ein. Er betrachtete noch einmal den Sichtschirm mit dem unvollständigen Text vor sich.
"Der Vertrag von Quito beendete im Dezember 2001 die kriegerischen Auseinandersetzungen und richtete den Solaren Rat ein. Durch ihn wurde die Grundlage für eine freie Auswanderung in das All gelegt, Freizügigkeit für Menschen und Informationen wurde festgeschrieben. Habitate und planetare Siedlungen erhielten das Recht auf eine eigene Verfassung im Rahmen der solaren Grundrechte. Auf der Erde konnte die nukleare Abrüstung durchgesetzt werden. Sie ging Hand in Hand mit einer Aufwertung der UNO, welche sich zu einem respektierten Mitglied im Solaren Rat entwickelte." (Das liest sich alles noch etwas holprig. Ich hasse dieses Überarbeiten. Wie wohl die Schriftsteller früher, bevor es Textprozessoren gab, gearbeitet haben?" Toynbee schauderte bei dem Gedanken.
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"Schon 20 Uhr." Er gab ein Signal um die Nachrichten zu empfangen.
Toynbee schaltete die Nachrichten ab und nahm die Arbeit an seinem Text wieder auf.
"Die Bedeutung des Vertrags von Quito für die Entwicklung der Menschheit ist nicht zu unterschätzen.
Er ermöglichte es erst, die Dynamik der Weltraumbesiedelung und der Intelligenzsteigerung und Lebensverlängerung zu verwirklichen. Dies führte zu folgenden Entwicklungen:
Durch Genmanipulation und durch den räumlichen Abstand voneinander entwickelten sich in den verschiedenen Habitaten diverse unterschiedliche Kulturen mit den verschiedensten Schwerpunkten ihrer Tätigkeit: Vergrößerte Gehirne, Space-angepaßte Modifikationen u.v.a.m. prägten ihre jeweilige Gesellschaft auf die ihr typische Weise.
Auf der Erde stagnierte die Entwicklung durch den Brain-Drain; die Fähigsten wanderten ins All aus, die Mittelmäßigen blieben. Die irdische Rohstoffknappheit und die Spätfolgen der Umweltsünden vergangener Tage führten zu einem eher repressiven System, z.B. wurden auf der Erde Clons verboten. Die solare Habitatkultur dagegen wuchs zu viel Individualität heran.
Entscheidend für die Entwicklung der solaren Menschheit jedoch war der Wertewandel.
Der Solare Rat unterstützte den Wizard in seinem Bemühen um die Vereinigung von materialistischen/wissenschaftlichen und spirituell/transzendenten Weltbildern.
Auf der 'O'Neill' wurde die erste Verfassung geschrieben. Die neue Gesellschaft sollte sich als Netzwerk ohne jede Hierarchie entwickeln. Die 'Spacer' betrachteten dies als ersten Schritt auf dem Weg in die Anarchie. "Wenn wir in zwei, drei Generationen soziales Verhalten gelernt haben, werden wir unser Ziel erreicht haben." Mit diesen Worten beschrieb der Sprecher der 'O'Neill', Rolf Schulz, im Solaren Rat den gesellschaftlichen Weg, den die Bewohner des ersten Habitats gehen wollten.
Sie führten Reformen in der Erziehung ihrer Kinder ein, die weite Kreise auf der Erde schockierten, so z.B. die Meditation in Grundschulen und sogar in Kindergärten. Sie strebten eine gleichmäßige Entwicklung von Ratio, Gefühlen, Kreativität und Willen an. Erleichtert wurde dieses Programm durch den elektronischen Erzieher und MBDV. Verantwortlich für die Durchführung waren Wissenschaftler, Zen-Meister und Künstler.
Die Kirche der Erde erhob viele Einwände gegen die, bei den 'Spacern' weitverbreitete, neue Religion. Sie beruhte auf direkter Gotterfahrung durch Satori und nicht auf religiösem Dogma.
Die meisten der späteren Habitate übernahmen diese Verfassung, andere suchten ihren eigenen Weg. Auf dem Mond entwickelte sich eine Mischform des Zusammenlebens, weder irdisch noch den 'Spacern' ähnlich. Sie blieben sowohl der Erde wie auch den Habitaten eng verbunden, doch waren sie überall als 'Lunatics' zu erkennen."